Buchtipp: „Mein erstes Waldstück“– Einmal mehr Natur riskieren

Ein eigenes Waldgrundstück zu haben, bedeutet wachsende Werte zu besitzen. So vermittelt es ein Online-Portal seinen Lesern und bietet auch gleich ein passendes Fleckchen brandenburgischer Erde auf 20 ha Kiefernforst mit Acker und Grünland für 196.000 Euro an. Sicher gelingt so ein Unterfangen aber auch günstiger und kleiner oder als Partner über eine Waldbeteiligung. Aber wie soll es dann mit der Bewirtschaftung weitergehen? Das vor wenigen Wochen neu erschienene Buch „Mein erstes Waldstück“ aus dem Ulmer Verlag verrät es uns!

Einblick gesucht

Peter Wohlleben, seit beinahe 25 Jahren in der ökologischen Waldwirtschaft engagiert, Förster im eigenen Revier und Autor dieses Ratgebers, gründete im letzten Jahr die Wershofener Waldakademie. Mit seinem neuesten Werk "Mein erstes Waldstück" spricht er aber nicht ausnahmslos künftige Waldbesitzer an, und es ist erst recht kein Fachbuch für promovierte Baumspezialisten. Ganz im Gegenteil: Jeder, der mit Bäumen oder eben einem ganzen Wald in Berührung kommt, profitiert vom Inhalt dieser wirklich hochinteressanten Lektüre. Selbst „Städter“, die vielleicht gerade nicht ganz genau wissen, wo der nächste Baum eigentlich steht.

Für mich war es das allererste Waldbuch. Und obwohl ich mehrmals wöchentlich mit dem Fahrrad unsere traumhaft schöne Mischwaldlandschaft am Rand der Lüneburger Heide genieße, fand ich darin viele meiner bisher offenen Fragen beantwortet. Dazu zählte für mich bisher auch der rein optisch wahrgenommene Zustand, der sich links und rechts der Wege bei mir in einer gewissen „Unordnung“ darstellte.

Wie weit geht Waldpflege?

Kleine Bäume zwischen großen Bäumen mit Hügeln, Löchern, wucherndem Geäst und Buschwerk zwischendurch, und dann noch die üppig gewachsenen Kiefern und Buchen an den Wegrändern, die im 65-Grad-Winkel beinahe umzustürzen drohen. Die Erleuchtung, warum das so ist und auch so bleiben sollte, kommt dem Leser schon zu Beginn des Buches und hält bis auf die letzte Seite an. Denn: Der Wald braucht keine Pflege, meint der Autor und erinnert: „Der Wald hat es seit Jahrmillionen bestens verstanden, sich selbst zu erhalten. Die pflegende Hand des Försters oder Waldbesitzers ist dazu nicht erforderlich“.

Plausibel begründet und an vielen Beispielen logisch erklärt, erfährt dann auch der künftige Waldbesitzer, wie er mit seinem Stückchen grüner Natur am sinnvollsten umgeht und was er im Interesse eines naturgemäßen Wirtschaftens besser lassen sollte. Handfestes Faktenwissen zur Saat oder der Pflanzung neuer Bäumchen, die Vorteile der Naturverjüngung und der Umstand, dass ein vorbildlich ausgebauter Waldweg eben nicht das erstrebenswerte Nonplusultra ist, sind nur einige Themen der folgenden Seiten und Kapitel.

Natürliche Bewirtschaftung

In der zweiten Hälfte seines Buches widmet sich Peter Wohlleben den zahlreichen Gefahren, die den Wald infolge des Klimawandels, aber auch durch weiteres menschliches Zutun ernsthaft in Not bringen, und wirbt bei seinen Lesern für eine natürliche Waldwirtschaft, die auch gerne ohne den kommerziellen Holzeinschlag auskommen darf. „Ist es nicht echte Nachhaltigkeit, nicht nur die Holzproduktion, sondern auch die Vielfalt für unsere Nachkommen zu retten? Und ist nicht die Freude an einem urwüchsigen Buchenbestand, in dem sich Mensch und Tier wohlfühlt, Bezahlung genug?“

Wie Natur, Bestandspflege, Durchforstung und die Ernte reifer Stämme durchaus harmonisch und mit der gebotenen Nachhaltigkeit funktionieren können, dafür gibt dieses Buch eine Vielzahl von praktischen Anregungen. Bei über 230 Farbfotos und nach 256 Seiten fühlt man sich als Leser schon fast mittendrin im gesund duftenden Kiefernwald und spürt die angenehme Langsamkeit der Natur – wenn wir sie eben nicht dabei stören. Am Ende dieses Buches sind die Leser auf dem besten Weg zum Waldversteher und sehen den sumpfigen, ausgetrampelten Pfad zwischen Rotbuchen, Fichten und Moorbirken plötzlich aus einem völlig neuen Blickwinkel heraus. Kostprobe? Hier ein Blick ins Buch!

 

Bildquelle: © Ulmer Verlag/ zagart - Fotolia.com

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