Schluss mit dem Elektroschrott: Das Beispiel Österreich

Kaputte Waschmaschine selber reparieren
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Aktualisiert am 03.07.2018
Zunächst die nackten Zahlen: Verinnerlichen wir uns die beinahe unvorstellbare Menge von 722.000 Tonnen an Elektro-Altgeräten, die allein von den Deutschen 2015 in den Schrott geworfen wurden, scheinen wir immer mehr in Richtung einer Wegwerfgesellschaft abzudriften. Und das, obwohl viele dieser Geräte relativ einfach repariert werden könnten, was auch natürliche Ressourcen schont und nicht zuletzt das Wirtschaftswachstum fördert. Noch satte 0,3 Prozent oben drauf – so hat die Unternehmensberatung McKinsey errechnet – wären es bis 2030 jährlich, würden die Rohstoffe in unseren Elektrogeräten so lange, wie technisch möglich, genutzt. Aber wie sieht es mit der Schrottvermeidung in der Praxis aus? Drei Länder, drei Beispiele!

Länger nutzen statt öfter kaufen

  • Hof voller ausrangierter Elektrogeräte
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    © pusteflower9024 | Die Menge an Elektroschrott nimmt von Jahr zu Jahr immer weiter zu. Da sind Strategien gefragt, um die Entwicklung…
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Nein, das ist heute mal ausnahmsweise keine Überschrift von uns. Wir fanden sie im Downloadbereich des deutschen Bundesumweltamtes, wo bereits 2015 eine Broschüre des österreichischen Reparatur- und Servicezentrums R.U.S.Z mit Sitz in Wien veröffentlicht wurde. Die vier Großbuchstaben stehen für einen Allgemeinwohl-Pionierbetrieb, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Kein sehr großes Unternehmen; aber eines, das sich für Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit von Elektronikgeräten engagiert und mit seinen Mitarbeitern fast alle Gerätschaften repariert, in denen Strom fließt.

Das Geschäftsmodell in Kurzfassung: Nicht mehr benötigte (und/ oder defekte) Trockner, E-Herde, Geschirrspüler oder Waschmaschinen, die von Spendern gestiftet werden, kommen zunächst in die hauseigene Werkstatt zur technischen Überprüfung. Bei Bedarf wird repariert, sodass aus vermeintlichem Schrott am Ende ein generalüberholtes Second-Hand-Gerät mit einjähriger Garantie entsteht, das die Lebensdauer eines vergleichbaren Neugerätes in vielen Fällen sogar noch weit übertrifft.

Gebaut mit Ablaufdatum

  • Auf kaputter Waschmaschine liegt Werkzeug bereit
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    © yaho | Früher oder später geht die liebe Waschmaschine kaputt. Damit haben wir uns mittlerweile regelrecht abgefunden. Doch muss das…
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Aber zurück zur Broschüre und zu den Erkenntnissen, die in der Wiener Lützowgasse schon vor drei Jahren herangereift waren und längst kein ausschließlich österreichisches Problem mehr sind. In der Europäischen Union hat sich die Menge an Elektroschrott in den letzten Jahren vervierfacht. Ist diese sinkende Nutzungsdauer der Elektrogeräte von Seiten der Markenhersteller gewünscht? Besonders bei Waschmaschinen scheint die aktuelle Qualität im Vergleich zu älteren Vorgängermodellen jedenfalls rapide abgenommen zu haben. So wurden 2015 durch das R.U.S.Z. 28 neue Waschmaschinen getestet – keine einzige davon bestand die dahin gehenden Tests. Hinweise auf eine bewusst verursachte Obsoleszenz werden in der Broschüre an zwei Beispielen erörtert:

Qualitätswaschmaschine mit Bottich aus Edelstahl:

  • Lebenserwartung: 20 Jahre und mehr
  • hochwertige Stoßdämpfer schonen die in Gusseisen montierten Lager
  • alle Verschleißteile lassen sich preiswert austauschen, sodass die gesamte Maschine wieder einsatzbereit werden kann

Billigwaschmaschine mit Bottich aus Plastik:

  • Lebenserwartung: um die drei Jahre
  • sparsam dimensionierte Stoßdämpfer, die Lagerschäden hervorrufen können
  • bei einer Zerstörung des Sitzes kann das Lager nicht mehr getauscht werden

Eine Kostenfrage?

  • Laufende Reparatur der Waschmaschine
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    © gpmax | Betriebe wie die R.U.S.Z. bringen alte Maschinen wieder in Schuss. Wer aber seine Haushaltsgeräte selber reparieren möchte, steht…
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Natürlich ließe sich bei oben genannten Beispielen auch die Kostenfrage stellen. Immerhin hat Qualität ja ihren Preis. Dagegen wird jedoch in einem weiteren Beispiel darauf verwiesen, dass in den Netzteilen vieler Flat-TVs durch zu schwache Elektrolyt-Kondensatoren zwei Drittel aller Hitzeschäden bzw. Totalausfälle entstehen, obwohl bessere Alternativen nur einige Cent mehr kosten würden. Und es gebe noch mehr Hindernisse!

Als total mangelhaft und unzureichend wertet das R.U.S.Z. bei den Waschmaschinen die Service-Dokumentationen, die für unabhängige Reparaturwerkstätten und technikaffine Heimwerker bei der Selbstreparatur von ganz besonderer Wichtigkeit sind. Ebenso große Probleme ergäben sich durch die fehlende Bereitstellung der Gerätesoftware an freie Werkstätten; die in der Regel sehr spärlichen Herstellerinformationen zur geplanten Grenznutzungsdauer der Geräte; sowie der Verfügbarkeitsfrist wichtiger Ersatzteile. Tatsächlich war es bislang gar nicht so einfach, überhaupt die passenden Ersatzteile zu erhalten. Doch inzwischen gibt es auch hier eine Lösung!

Die Lösung: Selber reparieren

  • Schnelle Rettung für Haushaltsgeräte: Schraub-Doc
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    © schraub-doc.at | Die österreichische Plattform Schraub-Doc fördert die Kultur des Selberreparierens, indem Ersatzteile schneller…
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Speziell gegen die mangelnde Verfügbarkeit von Ersatzteilen will das neue Portal schraub-doc.at ein Zeichen setzen. Auf der Seite lassen sich allein über die Typennummer des jeweiligen Haushaltsgerätes alle relevanten Ersatzteile finden und auch gleich bestellen. Mit den dazu passenden Gratis-Anleitungen und Videos kann die Reparatur dann in die eigenen Hände genommen werden. Dieser Ansatz soll helfen zu verhindern, dass auf Kosten der nachfolgenden Generationen mehr und mehr Ressourcen zugunsten kurzlebiger Haushaltsgeräte verschwendet werden. Stattdessen wird den Themen Nachhaltigkeit und Selberreparieren neuer Schwung verliehen. Die Lebensdauer von Waschmaschinen, Trockner und Spüler darf schließlich keine Frage fehlender Ersatzteile sein!

Doch natürlich werden nicht nur in Österreich Strategien gegen die moderne Wegwerf-Mentalität entwickelt. Daher wollen wir im Rahmen von zwei weiteren Beiträgen schauen, wie engagierte Menschen in Deutschland und Belgien durch Selbstreparaturen und ähnliche Initiativen Kühlschränke und viele andere große und kleine Haushaltsgeräte vor dem Schrottplatz retten.

Zunächst die nackten Zahlen: Verinnerlichen wir uns die beinahe unvorstellbare Menge von 722.000 Tonnen an Elektro-Altgeräten, die allein von den Deutschen 2015 in den Schrott geworfen wurden, scheinen wir immer mehr in Richtung einer Wegwerfgesellschaft abzudriften. Und das, obwohl viele dieser Geräte relativ einfach repariert werden könnten, was auch natürliche Ressourcen schont und nicht zuletzt das Wirtschaftswachstum fördert. Noch satte 0,3 Prozent oben drauf – so hat die Unternehmensberatung McKinsey errechnet – wären es bis 2030 jährlich, würden die Rohstoffe in unseren Elektrogeräten so lange, wie technisch möglich, genutzt. Aber wie sieht es mit der Schrottvermeidung in der Praxis aus? Drei Länder, drei Beispiele!
  • Hof voller ausrangierter Elektrogeräte
    © pusteflower9024 | Die Menge an Elektroschrott nimmt von Jahr zu Jahr immer weiter zu. Da sind Strategien gefragt, um die Entwicklung einzudämmen und gegenzusteuern – auch dem eigenen Sparschwein zuliebe!
  • Auf kaputter Waschmaschine liegt Werkzeug bereit
    © yaho | Früher oder später geht die liebe Waschmaschine kaputt. Damit haben wir uns mittlerweile regelrecht abgefunden. Doch muss das wirklich sein? Oder steckt geplante Obsoleszenz dahinter?
  • Laufende Reparatur der Waschmaschine
    © gpmax | Betriebe wie die R.U.S.Z. bringen alte Maschinen wieder in Schuss. Wer aber seine Haushaltsgeräte selber reparieren möchte, steht oft vor einem großen Problem: Wo finden sich die passenden Ersatzteile?
  • Schnelle Rettung für Haushaltsgeräte: Schraub-Doc
    © schraub-doc.at | Die österreichische Plattform Schraub-Doc fördert die Kultur des Selberreparierens, indem Ersatzteile schneller verfügbar gemacht und kostenlose Anleitungen bereitgestellt werden. Alles, was man dazu braucht, ist die Typennummer des defekten Geräts.
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