Hausbau: So hoch sind die Rohbaukosten

Rohbaukosten richtig berechnen
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Aktualisiert am 08.02.2017
Im ersten Moment mag es so anmuten, als könne man auch den Rohbau mit eher einfachen Arbeiten vergleichen, die schon jeder irgendwie hinbekommt. Doch dem ist längst nicht so! Tatsächlich handelt es sich um einen sehr wichtigen Bauabschnitt. Während der Rohbau entsteht, werden bereits die alles entscheidenden Weichen für die spätere Qualität des Traumhauses und für dessen „Lebenserwartung“ gestellt. Dazu zählen nicht zuletzt die später auflaufenden Betriebskosten und Investitionen für Instandsetzungen. Die Rohbaukosten machen immerhin 45 bis 50% der Gesamtinvestitionen am Haus aus. Und damit beginnt bereits die erste Hürde bei der Bauplanung!

Woraus bestehen die Rohbaukosten?

  • Verschiedene Arbeiten am Rohbau
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    © Ralf Geithe | Schon beim Rohbau kommen viele Gewerke zusammen, um ein vernünftiges Haus aus dem Boden zu stampfen. Zu den wichtigsten…
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Um bei der Vergabe von Aufträgen auf Augenhöhe mitreden zu können, muss ein Häuslebauer wissen, auf welcher Grundlage die bauausführenden Handwerksbetriebe überhaupt ihre Angebote und damit die Preise kalkulieren. Aber zunächst: Um welche Gewerke geht es beim Rohbau eigentlich? Folgende Arbeiten fallen an:

  • Erdarbeiten zur Erschließung
  • Kanalisierungsarbeiten
  • Keller (wenn geplant) bzw. Fundament
  • tragendes Innen- und Außenmauerwerk
  • Geschossdecken inkl. der Betontreppe
  • Dachstuhl mit Aufbringung der Dämmung und Abdeckung
  • Schornstein
  • nicht tragende Zwischenwände
  • Spengler- bzw. Klempnerarbeiten

Wie hoch sind die Rohbaukosten?

  • Erdarbeiten beim Hausbau
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    © schulzfoto | Der Hausbau wird gewöhnlich mit den Erdarbeiten eröffnet. Diese bilden daher einen festen Posten bei den Rohbaukosten und…
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Um jetzt ein erstes Gefühl für die marktüblichen Preise der einzelnen Gewerke zu bekommen, sehen wir uns einmal die entsprechenden Zahlen an. Angenommen, ein fiktives, aber durchaus durchschnittliches Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 140 m² (mit 85 m² Keller) kostet nach Fertigstellung 233.000 Euro.  Somit würden sich die Rohbaukosten auf folgende Werte belaufen:

  • Erdarbeiten: 4.672 Euro (≙ 2 Prozent)
  • Kanalisierungsarbeiten: 2.336 Euro (≙ 1 Prozent)
  • Maurer-, Beton- und Stahlbetonarbeiten: 70.080 Euro (≙ 30 Prozent)
  • Schornstein: 4.672 Euro (≙ 2 Prozent)
  • Zimmererarbeiten: 11.680 Euro (≙ 5 Prozent)
  • Dachdecker-, Spenglerarbeiten (Klempner): 11.680 Euro (≙ 5 Prozent)

Damit sind die wichtigsten Posten erfasst. Die Rohbaukosten betragen in diesem Beispiel insgesamt: 105.120 Euro. Im Durchschnitt lassen sich die Kosten für eine bewohnbare Wohnfläche von 120 bis 140 m², grob geschätzt, zwischen 70.000 und 80.000 Euro ansiedeln.

Wie lassen sich individuelle Rohbaukosten planen?

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    © Matthias Stolt | Allgemeine Preismodelle sind schwer zu erheben, da die Rohbaukosten von Land zu Land sehr unterschiedlich ausfallen. Bei…
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Bei diesen Werten handelt es sich nicht um irgendwelche Durchschnittszahlen, die aus Prospekten oder den Inseraten von Sonderangeboten der Baufirmen herangezogen wurden. Es handelt sich um Werte von Tiefbau-, Maurer- oder Dachdeckerunternehmen, die von diesen zur eigenen betrieblichen Kalkulation und Gewinnermittlung genutzt und in der Regel nicht zur Präsentation in der Öffentlichkeit publiziert werden.

Das Zahlenmaterial wurde uns freundlicherweise von einem absoluten Kenner der Branche zur Verfügung gestellt. Herr Wilfried Ritter hat selbst über drei Jahrzehnte große Industrie- und Wohnanlagen, Tiefbauprojekte, öffentliche Gebäude, aber auch hunderte private Neubauvorhaben betreut oder geleitet und zählt, auch außerhalb seiner österreichischen Heimat, zu den Insidern rund um den Bau. Dennoch sollte bei den angegebenen Zahlen berücksichtigt werden, dass es sich um Durchschnittspreise für den gesamten EU-Raum handelt, die anhand des aktuell gültigen Verbraucherpreisindexes der EU für Deutschland, Österreich und die Schweiz angepasst werden müssen. Nähere Angaben dazu finden künftige Häuslebauer auf dem Portal haus-selber-bauen.com.

Wie viel Haus darf es denn sein?

  • Ausbaufähiger Dachboden
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    © by-studio | Die Rohbaukosten werden auch von den gestellten Ansprüchen mitbestimmt. Ein ausbaufähiges Dachgeschoss beispielsweise ergibt…
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Diese und eine Reihe weiterer Fragen werden unmittelbaren Einfluss auf die Rohbaukosten eines Hauses haben und erfordern daher eine Vielzahl gründlicher Überlegungen bereits im Rahmen einer groben Budgetplanung. Neben der Ermittlung des Raumbedarfs im Ganzen spielt die Anzahl der Etagen eine wesentliche Rolle. Nicht weniger wichtig: Soll das gesamte Haus oder nur ein Teil davon unterkellert werden? Oder fällt die Entscheidung auf eine wesentlich kostengünstigere Bodenplatte zu ebener Erde? Werden eher mehrere kleine Räume bevorzugt oder lieber weniger Zimmer mit großzügigerer Wohnfläche? Macht ein Dachgeschoss Sinn, zum Beispiel um die Immobilie später einmal zu einem Mehrgenerationenhaus werden zu lassen?

Ökologisch nachhaltig zu bauen, ist trendy, umweltpolitisch vernünftig, wird staatlich gefördert, bleibt aber dennoch teuer; wie auch barrierefreies Wohnen, das einige Jahrzehnte später durchaus zum aktuellen Familienthema werden kann. Vieles, was man aus oder mit seinem neuen Eigenheim machen möchte, hängt auch vom Grundstück ab. Dessen Lage zum Beispiel, der Untergrund, die Größe und sogar die zukünftigen Nachbarn haben nicht selten erheblichen Einfluss auf die direkten oder indirekten Rohbaukosten. Im nächsten Teil stellen wir dann vor, wie die konkrete Ausführung des Bauvorhabens Einfluss auf die Rohbaukosten nehmen kann.

Im ersten Moment mag es so anmuten, als könne man auch den Rohbau mit eher einfachen Arbeiten vergleichen, die schon jeder irgendwie hinbekommt. Doch dem ist längst nicht so! Tatsächlich handelt es sich um einen sehr wichtigen Bauabschnitt. Während der Rohbau entsteht, werden bereits die alles entscheidenden Weichen für die spätere Qualität des Traumhauses und für dessen „Lebenserwartung“ gestellt. Dazu zählen nicht zuletzt die später auflaufenden Betriebskosten und Investitionen für Instandsetzungen. Die Rohbaukosten machen immerhin 45 bis 50% der Gesamtinvestitionen am Haus aus. Und damit beginnt bereits die erste Hürde bei der Bauplanung!
  • Verschiedene Arbeiten am Rohbau
    © Ralf Geithe | Schon beim Rohbau kommen viele Gewerke zusammen, um ein vernünftiges Haus aus dem Boden zu stampfen. Zu den wichtigsten Arbeitsbereichen zählen das Mauerwerk, der Keller oder auch der Dachstuhl. Hausherren brauchen hier den erforderliche Überblick, damit sie in Sachen Rohbaukosten mitreden können.
  • Erdarbeiten beim Hausbau
    © schulzfoto | Der Hausbau wird gewöhnlich mit den Erdarbeiten eröffnet. Diese bilden daher einen festen Posten bei den Rohbaukosten und machen durchschnittlich 2% der Gesamtkosten aus. Auch andere Posten, wie z.B. Arbeiten von Maurer oder Dachdecker sind fix in die Bilanz mit einzubeziehen.
  • © Matthias Stolt | Allgemeine Preismodelle sind schwer zu erheben, da die Rohbaukosten von Land zu Land sehr unterschiedlich ausfallen. Bei den in diesem Artikel genannten Werten handelt es sich um Durchschnittspreise für den europäischen Raum. Sie erlauben eine glaubwürdige Annäherung, um die Rohbaukosten besser planen zu können.
  • Ausbaufähiger Dachboden
    © by-studio | Die Rohbaukosten werden auch von den gestellten Ansprüchen mitbestimmt. Ein ausbaufähiges Dachgeschoss beispielsweise ergibt dann Sinn, wenn der Bau später als Mehrfamilien- oder Mehrgenerationenhaus infrage kommen soll. Allerdings sind für solche Extras höhere Investitionen einzuplanen. Ein ähnlich wichtiger Faktor ist der Keller.
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