Wandbaustoffe im Detail: Ziegel und Leichtbeton
Preisvorteil
Nachdem wir uns im ersten Teil unserer Serie über die Wandbaustoffe noch mit einer allgemeinen Übersicht zu den aktuellen Trends begnügen konnten, dringen wir mit diesem Beitrag nun etwas tiefer in die Materie vor. Denn ab sofort sollen einzelne Wandbaustoffe in den Fokus genommen und auf ihre Eigenschaften hin abgeklopft werden.
Ziegel und Leichtbeton gehören zu den meist genutzten Baustoffen. Das liegt neben einer Vielzahl an positiven bauphysikalischen Eigenschaften auch an einem beachtlichen Kostenvorteil für Bauherren. Wie die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e. V. aus Kiel mit einer Studie belegt, zählt Mauerwerk aus Zigelen neben Poren- oder Leichtbeton und Kalksandstein zu den kostengünstigsten Varianten beim Hausbau, was die Außenwandflächen anbelangt.
Ziegel in der Geschichte
Gut 3.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung wurden in Mesopotamien bereits die ersten Ziegelbauten größeren Stils errichtet. Und auch Jahrtausende später noch setzen auch die alten Römer auf die wärmedämmenden Steine aus gebranntem Ton. Denn trotz der damals beschränkten Produktionstechnologien ließen sich diese leicht herstellen und verarbeiten.
Noch heute werden die extrem druckfesten wie auch schalldämmenden Ziegelsteine im Bau standardmäßig verwendet, gerne auch für den Bau von Energiespar- und Passivhäusern. Daneben spielen Wohngesundheit und Energieeffizienz eine wesentliche Rolle: Dank moderner Fertigungsmethoden tragen die Natursteine aus Ton wesentlich zur Schimmelvermeidung bei, müssen nicht wie andere Baustoffe bis zu drei Jahre austrocknen und erreichen ihre ausgezeichneten Wärmedämmwerte bereits vom ersten Einsatztag an.
Behagliche Innenräume mit Feuchteschutz
Hergestellt aus Ton, Lehm, Wasser und Sand, enthalten Ziegel keinerlei Schadstoffe, besitzen keine toxische Wirkung und lassen sich hinsichtlich der Anforderungen des Gesundheits- und Umweltschutzes völlig bedenkenlos einsetzen. Allergieauslösende Reaktionen sind weder in Laborversuchen noch aufgrund der über mehrere Jahrhunderte gesammelten praktischen Erfahrungen nachweisbar. In der deutschen DIN 4108 (Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden und der Energieeinsparverordnung EnEV) ist der praktische Feuchtegehalt von Baustoffen mit folgenden volumenbezogenen Maximalwerten definiert:
- Ziegel: 1,5 Prozent;
- Porenbeton: 3,5 Prozent;
- Leichtbetonstein: 4,0 Prozent
- Kalksandstein und Betonstein: 5,0 Prozent
Bauseitig ist bei Ziegelwandkonstruktionen darüber hinaus ein besonders wirksamer Feuchteschutz möglich. Bei kaum erwähnenswerter Rohbaufeuchte lässt sich auch aufsteigende Feuchtigkeit durch das Aufbringen kostengünstiger und Wasser abweisender Leichtputze kompensieren. Im Fall von Schlagregen lassen sich Außenwandflächen mithilfe größerer Dachüberstände schützen. In Räumen mit größeren Feuchtigkeitsschwankungen (Bäder, Küchen, umbaute Terrassen) helfen diffusionsoffene Innenputze und Tapeten beim Feuchteausgleich an Wandflächen aus Ziegelmauerwerk.
Lebensdauer und Recyclingmöglichkeiten
Mit der Verwendung von Ziegeln verringert sich die Gefahr von Rissbildungen im Mauerwerk bei gleichzeitiger Reduzierung einer möglichen Verformung von Innen- und Außenwänden wesentlich. So kann bei Ziegelgebäuden unter Annahme einer sachgemäßen Nutzung von einer Standzeit von 80 bis 100 Jahren ausgegangen werden.
Selbst im Fall eines selektiven Rückbaus oder dem Ende der Nutzungsphase eines Gebäudes ändert sich nichts an der Umweltverträglichkeit des Ziegelmauerwerks, da es selbst dann noch eine Vielzahl wirtschaftlich und ökologisch vernünftiger Verwendungsmöglichkeiten gibt. Aus Abbruchziegeln lassen sich hochwertige Bodenbeläge herstellen. Ziegelsplitt ist darüber hinaus auch ein begehrter Zuschlagstoff für andere Werkstoffe wie Beton oder Mantelsteine.
Leichtbeton: massiver Baustoff mit geringer Dichte
Im Vergleich zum traditionellen Beton hat Leichtbeton als oft verwendeter Baustoff ein besonders geringes Gewicht. Das resultiert im Wesentlichen aus dem Beimischen von hochporösen Zuschlagstoffen. Materialien wie Blähton, Blähglas oder Bims bringen einen hohen Anteil an Luftporen ein, die nicht nur eine geringere Dichte hervorrufen. Sie sorgen auch für eine ausgezeichnete Wärmedämmung bei Innen- und Außenmauern.
Unterschieden wird zwischen haufwerksporigem und gefügedichtem Leichtbeton, wobei zwischen den Körnern jeweils verschieden große Zwischenräume entstehen. Leichtbetonsteine werden bei der Herstellung gepresst und lassen sich später auf der Baustelle schnell und präzise verarbeiten. Obwohl diese Steine ein erstaunlich geringes Gewicht haben und daher auch ohne zusätzliche Helfer verbaut werden können, besitzt der nicht brennbare Leichtbeton eine wesentlich höhere Schallabsorption als Normalbeton.
Besonderheiten und Handelsformen
Dank der guten Dämmeigenschaften eignet sich Leichtbeton für monolithische Bauweise. Der Wandaufbau gerät dabei jedoch überdurchschnittlich dick. Wünscht der Bauherr schmalere Wände, muss mit einer zusätzlichen Wärmedämmung gearbeitet werden. Darüber hinaus muss Leichtbeton an der Außenseite von Gebäuden entweder verputzt oder mit einem geeigneten Wärmedämmverbundsystem bzw. durch eine Vormauerschale geschützt werden.
Dafür erlaubt die Produktionstechnologie für diesen Baustoff eine besonders große Variantenvielfalt, die von einem umfangreichen Mauersteinprogramm über Hohlwandplatten bis hin zu kompletten und montagefertigen Wandbauplatten (entsprechend der DIN-Norm V 18151-100) reicht. Sonderformen sind Hohl-, Voll- und Großblöcke, für deren Herstellung es allerdings jeweils einer bauaufsichtlichen Sonderzulassung bedarf.
Daten typischer Hohlblöcke aus Leichtbeton
Meist als fünfseitig geschlossener Mauerstein ausgeführt, dessen Kammern senkrecht zu seiner Lagerfläche angeordnet sind. Sollhöhe ≤ 238 mm (bei Verarbeitung mit Dickbettfuge) bzw. ≤ 249 mm für Plansteinmauerwerk mit oberer Kammerabdeckung, die eine Dicke von wenigstens 10 mm hat.
- Steinbreite: zwischen 175 und 490 mm
- Seitenlänge: 240 bis 498 mm
- Kammerreihen: zwischen 1 bis 6
- Festigkeitsklassen: zwischen 2 und 12
- Rohdichteklassen: 2 bis maximal 12
- Schalldämmwert: ≥ 37 dB (einschalig)
- Wärmeleitfähigkeit: 0,20 W/mK
- Brandschutzklasse A1; Feuerwiderstandsklasse ≥ F 90-A
Daten typischer Vollsteine aus Leichtbeton
Mauerstein ohne Schlitze oder Kammern mit Sollhöhen zwischen 52 und 240 mm (Mauerbett mit Dickbettfuge) bzw. ≤ 249 mm (Plansteinmauerwerk).
- Steinbreite: zwischen 95 und 425 mm
- Seitenlänge: 240 bis 498 mm
- Festigkeitsklassen: zwischen 2 und 20
- Rohdichteklassen: 0,60 bis maximal 2,0
- Schalldämmwert: ≥ 34 dB (einschalig)
- Wärmeleitfähigkeit: ≥ 0,21 W/mK
- Brandschutzklasse A1; Feuerwiderstandsklasse ≥ F 90-A
Daten typischer Wandbauplatten aus Leichtbeton
Großformatige Leichtbetonplatten ohne Lochung mit Sollhöhen zwischen 240 und 320 mm (geeignet zum Vermauern mit Dickbettfugen).
- Steinbreite: zwischen 50 und 100 mm
- Steinlänge: 490 bis 997 mm
- Rohdichteklasse: 0,80 bis maximal 1,4
- Biegezugfestigkeit: ≥ 1,0 N/mm²
- Wärmeleitfähigkeit: ≥ 0,33 W/mK
- Schalldämmwert: ≥ 33 dB
- Brandschutzklasse A1; Feuerwiderstandsklasse ≥ F 30-A
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